Thema: Vertrauen in Technologie

Unser Vertrauen ist immer dann gefragt, sobald eine Situation sehr komplex und ihr Ausgang kaum vorhersagbar ist. In diesen Situationen kommt es auf die individuelle Überzeugung an, wie wahrscheinlich es ist, dass die Beteiligten die Herausforderung meistern werden. Vertrauen kann also als Annahme verstanden werden, dass ein Akteur (d.h. eine Person oder auch ein technisches System) dabei hilft, die Ziele einer Person in einer Situation zu erreichen, die durch Unsicherheit und Verwundbarkeit geprägt ist (*englisches Originalzitat). Während Vertrauen oder auch Misstrauen im zwischenmenschlichen Alltag normale Begleiter sind, spielt das Vertrauen gegenüber Technologie häufig eine weniger offensichtliche Rolle.

* “The attitude that an agent will help achieve an individual’s goals in a situation characterized by uncertainty and vulnerability.” (Lee & See, 2004, S. 51)

Dabei ist Vertrauen auch im Umgang mit Technologie von großer Bedeutung und wird mit der Einführung von mehr und mehr technischen Neuerungen immer wichtiger. Entscheidend ist dabei nicht die Menge der technischen Neuentwicklungen, sondern ihre Komplexität und das damit verbundene gefühlte Problem, alle technischen Aspekte zu verstehen.

Vertrauen hat außerdem noch eine weitere Funktion: Mit dem Vertrauen in eine Technologie entwickelt sich auch die Akzeptanz gegenüber dieser Technologie. Somit sind sowohl Vertrauen als auch Akzeptanz Voraussetzungen für die individuelle Absicht eine Technologie zu nutzen (Grünberg, 2015).

Es existieren bereits eine Reihe von Untersuchungen, die sich mit der Vertrauenswürdigkeit von Technik beschäftigt haben. So ist beispielsweise mittlerweile bekannt, dass Softwareprogramme, die die gleichen Charakterzüge wie die des jeweiligen Anwendendens vermitteln, die Akzeptanz der Nutzerin oder des Nutzers erhöhen können (Nass & Lee, 2001). Einen weiteren Einfluss auf die Akzeptanz und zudem auf die Produktivität der Nutzer*innen wurde insbesondere bei Technik festgestellt, die in der Lage ist, die Gefühle der Anwendendenden zu berücksichtigen (Norman et al., 2003).

Das Vertrauen in eine bestimmte Technologie beruht darauf, dass die Nutzenden diese so gut kennen, dass sie denken voraussehen zu können, wie das System unter verschiedenen Umständen reagieren wird (Mcknight et al., 2011). Wenn so einem System nicht vertraut wird, wird es mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht genutzt. Wird es nicht genutzt, hat der Anwendende nur ein begrenztes Wissen über dessen Funktionsweise und es wird unwahrscheinlicher, dass das Vertrauen wächst (Lee & See, 2004). Auch der Inhalt und das Format der Benutzeroberfläche haben einen starken Einfluss auf das Vertrauen der Nutzenden in die jeweilige Technologie. Diese haben oftmals gar keinen offensichtlichen Bezug zu den tatsächlichen Fähigkeiten des Systems, spielen aber dennoch eine Rolle in der wahrgenommenen Seriosität der Technologie. Das Vertrauen steigt beispielsweise, wenn die Informationen konkret, einheitlich und klar gegliedert dargestellt werden (Lee & See, 2004).

Aus einer zusammenfassenden Studie geht außerdem hervor, dass die Faktoren, die unsere zwischenmenschlichen Beziehungen maßgeblich beeinflussen, höchstwahrscheinlich auch unsere Interaktion mit Technologie bestimmen (Lee & See, 2004).

Aber was ist mit Technologien, mit denen man nicht direkt interagieren kann?

Eine weitere wichtige Gemeinsamkeit der meisten Studien aus dem Bereich Technologievertrauen ist außerdem ihr Bezug auf ausschließlich die Technik, die sich beobachten lässt oder mit der man interagieren kann. Dieser Begrenzung der Studien kommt hier eine besondere Bedeutung zu, denn sie erschwert die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf Technologie, die nicht unmittelbar erfahrbar ist.

Somit wird das Vertrauen gegenüber Technologien wie dem Mobilfunk, mit seinen nicht sichtbaren Abläufen, über diese Studien eher weniger erklärt. Dennoch zeigen diese Studien (Frey, 2021), warum der Mobilfunk und neue Mobilfunkstandards wie 5G größere Probleme mit Vertrauen und Akzeptanz haben als andere Technologien. Denn der Mobilfunk verfügt als bloßer Übermittler von Informationen über keine Benutzeroberfläche (bei einem Handy wäre es zum Beispiel der Touch-Bildschirm) und die Anwendenden können nur indirekt mit ihr interagieren. Somit verfügt die Mobilfunktechnologie nicht über Eigenschaften, die es ermöglichen, Vertrauen und Akzeptanz zu vermitteln. Dieses Problem der Technologien ohne direkte Interaktionsmöglichkeit wird besonders deutlich, wenn man sie im Rahmen der gängigen wissenschaftlichen Erklärungsmodelle und Theorien der Vertrauensbildung zwischen Mensch und Technologie betrachtet.

Die weitläufig anerkannten Modelle basieren meist auf der Annahme, Vertrauen setze sich aus den Erfahrungen vor der Interaktion und den Erfahrungen während der Interaktion zusammen. Da Mobilfunk jedoch Vertrauen “nur” auf der Grundlage früherer Erfahrungen und nicht durch persönliche Interaktion ermöglicht, ist das hier beschriebene Vertrauen nur ein Teilaspekt. Zu den übrigen Aspekten gehören die Veranlagung (z. B. Kultur, Alter, Geschlecht, Persönlichkeitsmerkmale), das Vorwissen über die Technologie und Merkmale der Situation, in der mit der Technologie interagiert wird, wie z. B. die Stimmung oder wahrgenommene Vorteile (Hoff & Bashir, 2015).

Es kann ein mühsamer Weg sein, einen vielschichtigen Faktor wie Vertrauen zu vermitteln, der u.a. von Persönlichkeitsmerkmalen abhängt. Dennoch kann sich die Mühe auszahlen, denn Aufklärung und Wissensvermittlung über Technologien führen letztlich zu mehr Verständnis und Vorwissen, was Vorurteile und Misstrauen abbauen kann (Kohring, 2001).

Eine Form der Wissensvermittlung sind Plattformen wie diese hier. So wird versucht, ein angemessenes Vertrauen in Technologien und speziell den 5G-Mobilfunk zu vermitteln und Bedenken abzubauen. Wenn Sie mehr über diese Themen erfahren und eigene eventuell bestehende Vorurteile abbauen möchten, lesen Sie sich gern die Informationen auf dieser Webseite durch. Sie können sich die Blogeinträge durchlesen oder die virtuelle Ausstellung anschauen.

Quellen für den Inhalt des Blogeintrags

Frey, R. (2021). Psychological Drivers of Individual Differences in Risk Perception: A Systematic Case Study Focusing on 5G. Psychological science, 32(10), 1592-1604. doi.org/10.1177/0956797621998312

Grünberg, P. (2015). Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Akzeptanz. In: Bentele, G., Bohse, R., Hitschfeld, U., Krebber, F. (eds) Akzeptanz in der Medien- und Protestgesellschaft. Springer VS. doi.org/10.1007/978-3-658-06167-8_2

Hoff, K.A., & Bashir, M. (2015). Trust in Automation: Integrating Empirical Evidence on Factors That Influence Trust. Human Factors: The Journal of the Human Factors and Ergonomics Society, 57(3), 407–434. doi.org/10.1177/0018720814547570

Kohring, M. (2001). Vertrauen in Medien - Vertrauen in Technologie. Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg.

Lee, J. D., & See, K. A. (2004). Trust in Automation: Designing for Appropriate Reliance. Human Factors: The Journal of the Human Factors and Ergonomics Society, 46(1), 50–80. doi.org/10.1518/hfes.46.1.50_30392

Mcknight, D. H., Carter, M., Thatcher, J. B., & Clay, P. F. (2011). Trust in a specific technology: An investigation of its components and measures. ACM Transactions on Management Information Systems (TMIS), 2(2), 1-25. doi.org/10.1145/1985347.1985353

Nass, C., & Lee, K. N. (2001). Does computer-synthesized speech manifest personality? Experimental tests of recognition, similarity-attraction, and consistency-attraction. Journal of Experimental Psychology: Applied, 7(3), 171–181. doi.org/10.1037/1076-898x.7.3.171

Norman, D. A., Ortony, A., & Russell, D. M. (2003). Affect and machine design: Lessons for the development of autonomous machines. IBM Systems Journal, 42(1), 38–44. doi.org/10.1147/sj.421.0038

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